Circular Economy Card Deck für Business Model Workshops (CE-CA-WO)

© scyther5/istock

Hintergrund

Klimakrise, Artensterben und Plastik in den Weltmeeren zeigen uns, dass wir unseren Umgang mit natürlichen Ressourcen dringend verändern müssen. Das Konzept der Circular Economy hat das Potenzial, einen systemischen Wandel anzuleiten, der uns als Gesellschaft dazu befähigt, innerhalb unserer planetaren Grenzen zu wirtschaften.

Eine Circular Economy ermöglicht es Unternehmen, neue, nachhaltige und zukunftsorientierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Für den Erfolg dieses gewünschten Transformationsprozesses ist allerdings von zentraler Bedeutung, dass zirkuläre Geschäftsmodelle nicht nur durch einige wenige Pioniere aufgegriffen werden, sondern durch eine umfassende Marktdurchdringung auch in der Breite diffundiert werden.

Mittelständische Unternehmen als wichtige Treiber der Systemtransformation

Mittelständische Unternehmen können durch zirkuläre Wertschöpfungsprozesse zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise beitragen. Dazu wird die gesamte Wertschöpfung auf Produktlanglebigkeit ausgerichtet, der Verbrauch primärer Rohstoffe reduziert und der Sekundärrohstoff-Anteil in Produkten durch hochwertiges Recycling und effizientere Rückführbarkeit erhöht. Die Grundlage hierzu bilden zirkuläre Strategien wie Warten und Upgraden (Maintain/Upgrade), Reparieren (Repair), Wiederverwenden (Reuse), Wiederaufarbeiten (Refurbishing) bzw. „Wiederproduzieren“ (Remanufacturing) und Wiederverwerten (Recycling). Zudem wird dem gesamten Wertschöpfungsprozess die Ausrichtung auf zirkuläres Produktdesign vorangestellt.

Gerade in Deutschland spielen mittelständische Unternehmen bei diesem Transformationsprozess eine entscheidende Rolle: Denn als Rückgrat der deutschen Wirtschaft können sie aufzeigen, wie eine erfolgreiche Umsetzung funktioniert, und damit im Sinne eines Katalysator-Effekts den Übergang zum zirkulären Wirtschaften ermöglichen und beschleunigen.

Aktuelle Herausforderungen

Allerdings forcieren momentan viele mittelständische Unternehmen im deutschsprachigen Raum noch immer Prozessinnovationen gegenüber Geschäftsmodellinnovationen [1]. Zwar gibt es bereits Unternehmen, die ihre bisherigen linearen Wertschöpfungsprozesse sehr erfolgreich durch in zirkuläres Geschäftsmodell ausgetauscht haben und Pionierarbeit in ihrer Branche leisten, jedoch ist die Vernetzung zwischen den wenigen Akteuren bisher gering.

Aufgrund fehlender Erfahrung mit zirkulären Wertschöpfungsprozessen und unzureichendem Wissen zu Inhalten einer Circular Economy, ist es vielen mittelständischen Unternehmen noch nicht möglich, klar genug zu erkennen, welcher Mehrwert sich mit der Implementierung eines zirkulären Geschäftsmodells für das eigene Unternehmen ergeben kann. Der Zugewinn an Wissen zu Inhalten einer Circular Economy schafft folglich die Möglichkeit, notwendige Vorrausetzungen und Herausforderungen in ausreichendem Umfang zu identifizieren, zu definieren und zu bearbeiten.

Ziele und Lösungsansatz

Mit dem Projekt Circular Economy Card Deck für Business Model Workshops (CE-CA-WO), haben sich acatech, der WWF Deutschland und die Johannes Kepler Universität Linz, unter der Förderung der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU), zum Ziel gemacht, mittelständische Unternehmen über die wichtigsten Inhalte einer Circular Economy und zirkulärer Geschäftsmodelle zu informieren und sie zu befähigen, ihre bisherigen Geschäftsmodelle im Sinne eines zirkulären Wirtschaftens auf den Prüfstand zu stellen und diese auf Zirkularität auszurichten.

Mithilfe eines graphisch ansprechend aufbereiteten Card Decks und einem dazu gehörigen Moderationsleitfaden soll Unternehmen aufgezeigt werden, wie sich unternehmerische Aktivität mit Klimaschutz und Ressourcenschonung vereinbaren lassen. Vor den aktuellen Geschehnissen der Corona-Pandemie soll auch die Chance bewusst gemacht werden, wie sich durch zirkuläre Geschäftsmodelle mehr Resilienz ergeben kann: ein stärkerer Einsatz von Rücknahmesystemen und ein höherer Anteil von Sekundärrohstoffen reduzieren die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und Herausforderungen bei den Lieferkettenprozessen und steigern damit die eigene Widerstandsfähigkeit [2].

Das Card Deck soll auf den Inhalten einer Typologie mit 22 zirkulären Geschäftsmodellmustern basieren, die in der Arbeitsgruppe “Zirkuläre Geschäftsmodelle“ der Circular Economy Initiative Deutschland (CEID) erarbeitet und in dem Bericht Zirkuläre Geschäftsmodelle: Barrieren überwinden, Potenziale freisetzen veröffentlicht wurden. Durch die Entwicklung und Bereitstellung eines Moderationsleitfadens und weiterer Vorlagen sollen Unternehmen selbst befähigt werden, auf dem Card Deck basierende Workshops in ihren Betrieben durchzuführen. Mithilfe dieser Workshoptools soll sich das Potenzial von Zirkularität in der unternehmerischen Praxis auf eine gute und verständliche Art erschließen.

Publikation

 
 

Projektlaufzeit:

11/2021 — 01/2023

Leitung acatech:

 

Prof. Dr.-Ing. Thomas Weber
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Koordination:

 

Seda Akinci acatech Geschäftsstelle akinci@acatech.de

Partner:

Projektförderer:

 

[1] Vgl. Cisco Systems GmbH 2019, p. 8.
[2] Circular Economy Initiative Deutschland 2020b, S. 91.